Nachbar, Freund und deutscher Schriftsteller von Weltrang: Biografie von Rolf Hochhuth vorgestellt

Rolf Hochhuth, seit seinem „Stellvertreter“ ein deutscher Dichter von Weltrang, wohnt und arbeitet in unserem Kiez. Er hat seine Arbeitsstube in der Behrenstrasse mit einem wunderbaren Ausblick auf den Tiergarten und direkt aufs Holocaust-Mahnmal. Früher, vor der Bebauung des Pariser Platzes, konnten ihm die Rosse der Quadriga direkt durch die Träume galoppieren, das Adlon war nur ein Entwurf, und der Reichstag grüßte herüber, silbrig glänzend wie ein Raumschiff,  nach seiner Verhüllung.

Der Dichter, dem wir als geistigen Anreger und  politischen Vater des Projekts auch die Erinnerungs-Skulptur für den Hitler-Attentäter Georg Elser in der Wilhelmstraße zu verdanken haben, feiert am 1. April seinen 85. Geburtstag. Als eine erste Eloge zu diesem Ereignis hatte das Berliner Ensemble zu einer Buchpremiere geladen, und eine große Zahl von Bewohnern unseres Wohngebiets war der Anregung gefolgt, etwas mehr über ihren berühmten Mitbürger zu erfahren.

Der Dichter saß im Foyer, guckte unter dem zerzausten weißen Haar erwartungsvoll der Premiere eines neuen Buches über ihn entgegen, hatte vor sich mehrere neue Bücher liegen, signierte sie lächelnd und voller Freude über das große Interesse an seiner Arbeit, die sich mit  Zeitfragen, Geschichten um die Geschichte und aktuelle Themen wie einem Ausstieg Deutschlands aus der Nato befasste. Hochhuth saß in der letzten Reihe im Publikum, das Sacco lässig um die Schulter drapiert, als die Journalistin und Schriftstellerin Birgit Lahann begann, aus ihrem Buch über den Meister zu lesen: „Der Störenfried“, wie es in der Unterzeile heißt, war gewiss kein leichter Gesprächspartner und Co-Autor, die Publizistin hat all die kleinen geistigen Scharmützel mit Freude und Optimismus beschrieben, und der Leser hat seinen Spaß daran.

Er lernt einen Menschen kennen, der nie sein Ziel aus den Augen verlor, der erst Erwin Piscator und dann den Rest der Welt mit seinem Drama um Schuld und Mitschuld elektrisierte und der auch heute jeden Tag seine Miszellen, Gedichte und Essays über die Welt schreibt: Stoff gibt es genug. Hochhuth ist der provokante Zwischenrufer geblieben, und er ist, wie BE-Intendant Claus Peymann sagt, „der lebende Beweis, dass man im hohen Alter immer noch in der Pubertät sein kann“.

Peymann weiter: „Keiner tobt so wie ein Kugelblitz durch das Berliner Kulturleben. Und dass er ein Aprilscherz ist, der vor keinem Fettnäpfchen zurückscheut, sondern alles tut, um hineinzuspringen, wenn er eins sieht – so soll es bleiben, bis er 100 Jahre alt ist. Und wenn wir alle schon vermodern, soll er noch als Gespenst um den Schiffbauerdamm herumtoben und nach seinem Stellvertreter suchen“. Schön gesagt! Und Schriftsteller-Kollege Martin Walser gab noch eins drauf: Diese Biografie sei „das Lebendigste, was ich in diesem Genre je zu lesen bekam“.

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