Nachbarn und Freunde bei der Aufführung „Wir Negativen“

Vor wenigen Tagan waren Nachbarn vom Kiez Wilhelmstraße sowie Freunde aus ganz Berlin einmal wieder zusammen im Theater – dieses Mal im Berliner Ensemble zu einem Tucholsky-Abend in der Regie von Jutta Ferbers.

Die Aufführung begann mit dem „Lächeln der Mona Lisa“. Es war erstaunlich, wie gut verzahnt und dramaturgisch sinnvoll die nun folgenden Nummern ineinander übergingen – von den sieben Schauspielerinnen und Schauspielern sehr gekonnt in Szene gesetzt. Ein Glanzstück, das bei den Zuschauern Lachsalven hervorrief, war natürlich „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ mit der großartigen Anke Engelsmann.

In einer weiteren Szene spielte einer der Schauspieler Tucholskys Verleger Ernst Rowohlt, der von seinem Dichter nach so vielen politischen Texten endlich einmal schöngeistige Literatur fordert. Jutta Ferbers drehte in ihrer Inszenierung „Wir Negativen“ den Spieß um: sie beschränkte sich in der Auswahl der dargebotenen Tucholsky-Texte fast ausschließlich auf Lebenskluges, Unterhaltsames, Besinnliches, Heiteres und Glossen. Dann nach einer Stunde wurde über Band der Originalton der Bücherverbrennung in Berlin 1933 eingespielt. Und jetzt erst trugen die Schauspielerinnen und Schauspieler einige wenige politische Texte und Lieder vor. Bei „Rosen auf den Weg gestreut / Küßt die Faschisten (Musik: Hanns Eisler)“ mussten wir unwillkürlich an die Aufmärsche und Gewalttaten in unseren Tagen denken.

Sehr gefallen haben uns die Kostüme und die Ausstattung von Meentje Nielsen. Die Hinterwand der langen, schmalen Bühne war lediglich mit weißen Papierfahnen ausgehängt, die im Laufe des Abends bei passender Gelegenheit beschriftet wurden. Die Schauspielerinnen und Schauspieler waren originell gekleidet im Stile der Zwanziger Jahre  in blau-türkis-grau-Tönen.

Kurt Tucholsky (1880-1935) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des kritischen Realismus der deutschen Literatur, der mit seinen Texten vor dem Faschismus warnte, Militarismus, Restauration und Spießbürgertum bloßstellte und heute wieder so aktuell ist. Der Abend regte uns an, uns einmal wieder einen Tucholsky-Band vorzunehmen und darin zu blättern.

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