Unsere Nachbarn von nebenan: Besuch im Prachtgebäude der türkischen Botschaft

Mit dem Besuch der türkischen Botschaft wurde die mittlerweile traditionelle Veranstaltungsreihe, die mit Geschichte und Gegenwart anderer Länder bekannt macht, fortgesetzt. Obwohl der Termin kurzfristig vorverlegt worden war, fanden sich ca. 30 Interessierte aus unserem Wohngebiet und anderen Teilen Berlins am 12. Februar in der Tiergartenstraße 19-21 ein.

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Teilnehmer des Besuchs mit dem türkischen Gastgeber Herr Özbek

Wirkt das repräsentative Gebäude von außen beinahe monumental ist man im Inneren von der Leichtigkeit und Weiträumigkeit überrascht. Im Foyer erinnert eine Porträtbüste an den Staatsgründer Atatürk. Ein großformatiges Wandbild an der gegenüberliegenden Seite bezieht sich auf den Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Völkern. 1763 hatte sich erstmals ein osmanischer Gesandter mit einem Tross von 70 Leuten auf den beschwerlichen, drei Monate dauernden Weg ins damalige Preußen begeben.

Herr Hüsnü Yaşar Özbek, ein Mitarbeiter der Botschaft, informierte uns kenntnisreich an Hand historischer Dokumente, Skizzen, Bauplänen über die Geschichte des Gebäudes. Seit Oktober 2012 ist die Botschaft – sie ist die größte türkische Auslandsvertretung weltweit! – wieder an ihrem Stammsitz im Diplomatenviertel zu Hause. Die einstige seit 1918 bestehenden Residenz wurde im 2. Weltkrieg total zerstört.

Ein Berliner Architektenbüro (Nickol, Schmidt, Hillig), ursprünglich nur mit einem dritten Platz im Wettbewerb um die Neugestaltung bedacht, hat eine zweiteilige Anlage geschaffen, die durch einen größzügigen, verglasten Innenhof verbunden ist. Um den Innenhof (auch Bosporus genannt) gruppieren sich Büros für die rund 100 Mitarbeiter und Arbeitsräume des Botschafters. Brücken zwischen den Gebäudeteilen sind durchaus als verbindendes Symbol zwischen Okzident und Orient gedacht.

Ein repräsentiver Festsaal erstreckt sich über zwei Etagen. Er bietet Platz für 1200 Gäste. Das 16 m hohe Eingangsportal aus Kupfer, so schilderte unser Gastgeber am Beispiel alter Zeichnungen, könne man sich sowohl als Entree für eine Karawanserei als auch für einen Palast aus osmanischer Zeit vorstellen. Bezüge zur Tradition befinden sich ebenso an den gläsernen Wänden im Foyer oder an der Kalksteinfassade mit den wabenartigen Girih-Mustern, wie man sie von osmanischen Bauten kennt, und an einer Keramikwand mit Motiven aus Istanbul.

Am Schluß des Rundgangs konnten wir der Botschaft aufs Dach steigen. Hier bot sich ein phantastischer Blick über den Tiergarten – vom hellen Gipfel des Sony-Centers am Potsdamer Platz bis zur strahlenden Goldelse. Die fleißigen Bienen, die hier oben ihr Domizil haben, hielten Winterschlaf. Als Reverenz an Gäste kann es durchaus passieren, dass sie mit einem Glas Honig, hausgemacht, beschenkt werden. Eine liebenswürdige Geste türkischer Gastfreundschaft, die viele von uns auch im Urlaub zu schätzen wissen.

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