Abriss in der Wilhelmstraße – ohne uns!

Der Verein Bürgerinitiative Wilhelmstraße Berlin Mitte missbilligt die Absicht des Eigentümers unserer Wohn- und Hotelanlage, der B.Ä.R. GmbH, zunächst die Gebäude auf dem Grundstück Wilhelmstraße 56 – 59 abzureißen. Diese Gebäude wurden erst vor 20 Jahren errichtet und sind in einem guten Zustand. Sie sind wirtschaftlich. Es gibt keinen Grund, sie durch einen anderen Bau für Wohnen und Geschäfte zu ersetzen und hierfür angestammte Mieter zu vertreiben, die dann eine Miete (oder eine Eigentumswohnung) im deutlich hochpreisigen Segment nicht mehr bezahlen können. Solche hochpreisigen Wohnungen gibt es in Berlin genug, dies gerade auch in Mitte – bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt hingegen nicht mehr.

Angesichts des enormen und sich weiter verschärfenden Mangels an bezahlbaren Wohnungen in der Innenstadt und des erklärten angeblichen Willens der Politik, sich des Problems anzunehmen, protestieren wir auf das Schärfste gegen die beabsichtigte Vernichtung von Wohnraum und die damit einhergehende Vertreibung der Mieter aus dem Innenstadtbereich.

Wehret den Anfängen – ein Abriss kann zu weiteren im Gewinninteresse auf Kosten der Bewohner führen. 1000 zumeist langjährige Bewohner im gesamten Wohnviertel sind betroffen, sollte der Abriss auf weitere Gebäude ausgedehnt werden. Deren gesamte Wohn- und Lebensplanung wird plötzlich aus den Angeln gehoben. So wird systematisch und im großen Stil die “Berliner Mischung” durch Inaktivität des Senats und des Bezirks zerstört. Dies ist der Beginn, ein Viertel zu zerstören mit seiner Nachbarschaft.

Der Verein appelliert an den Senat, die Genehmigung für den Abriss unverzüglich zurückzunehmen sowie alle städtebaulichen, finanziellen und politischen Mittel zu nutzen, um den Erhalt der Wohnhäuser in der Wilhelmstraße sicher zu stellen..

Der Verein stellt fest, dass die meisten Mieter in dem betroffenen Block Mietverträge haben, die sie wirksam schützen und eine Kündigung ausschließen. Der Verein wird die Mieter unterstützen, die in ihren Wohnungen bleiben wollen.

Der Verein wiederholt mit Nachdruck seine Forderung an den Eigentümer sowie an die Stadt Berlin, den Hotelbetrieb in allen Wohnhäusern unverzüglich einzustellen. In diesem Hotelbetrieb wird die geltende Brandschutzverordnung nicht angewendet. Sowohl für Anwohner als auch für Hotelgäste besteht eine akute Gefahr für Leib und Leben. Zudem bringt der Hotelbetrieb in den Wohnhäusern viele Beeinträchtigungen mit sich, die für die Anwohner völlig unzumutbar sind.

Inzwischen hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass der Anspruch auf Mietminderung wegen des Hotelbetriebs in unseren Häusern substantiell dargelegt wurde. Das Landgericht Berlin hat in konkreten Fällen Mietminderung bewilligt. Die Hausverwaltung hat daraufhin von sich aus Mietminderungen für mehrere Anwohner angeboten und somit erkannt, dass der Hotelbetrieb erhebliche Störungen verursacht. Nun sind Politik und Verwaltung dringend aufgerufen, Konsequenzen zu ziehen und den rechtswidrigen Hotelbetrieb in den Wohnhäusern komplett zu schließen.

Der Verein setzt sich weiterhin dafür ein, dass gerade im Stadtkern von Berlin Mitte das Wohnen möglich bleibt und normale Wohnverhältnisse herrschen. Ein Abriss auch nur von Teilen dieser zentralen Wohn- und Hotelanlage, die erst vor kurzem gebaut wurde, muss für die absehbare Zukunft ausgeschlossen sein. Stattdessen sollen weitere Mieter hierher ziehen und die Innenstadt Berlins an diesem geschichtsträchtigen Ort stärken und beleben.

Stellungnahme_gegen_Abriss als pdf-Dokument zum Download.

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